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Ausstellungen 2014

Peter Bosshart

Peter Bosshart „Hakeln“, 2013/14. Öl auf Lwd., 60 x 60 cm.


Geheime Erinnerungen - Malerei vital plus


11. Mai bis 20. Juli 2014 

Eröffnung am 11. Mai um 11.30 Uhr

Einführung Dr. Margitta Brinkmann, Kunsthistorikerin, Köln

Unter dem Titel "Geheime Erinnerungen – Malerei vital plus" zeigt der Kunstverein Grafschaft Bentheim eine Auswahl von Bildern und Videos des Künstlers aus den letzten 10 Jahren.

In seiner Jugend ist Bosshart als Puppenspieler mit selbst gefertigten Figuren und eigenen Stücken durch die heimischen Dörfer getingelt. Die Lust am Fabulieren, Performen und Geschichtenerzählen prägt heute noch seine Arbeiten.
Erzählt wird dabei meist ganz nah am alltäglichen Geschehen. Extreme Nahsicht, überraschende Perspektive oder Reduktion aufs Ausschnitthafte verfremden die Motive und lassen alternative Deutungen zu. Kein Fotorealismus, sondern cartoonartige, manchmal naiv anmutende, dann wieder überraschend raffinierte Chiffren auf eilig hingeworfenen Hintergründen.
Bossharts Bildergeschichten fordern die spekulative Phantasie des Betrachters heraus und regen ihn zum Weiterdenken an. Es sind „geheime Erinnerungen“, nach einem Aphorismus Kierkegaards, die dennoch darauf zielen, individuelle Erfahrung zu transzendieren und zu vermitteln. Kurz: die ikonographische Leerstelle der Moderne, die keine verpflichtenden Bilderzählungen mehr kennt, mit assoziativem Gedankenspiel zu füllen.
Bosshart geht es nicht um stimmige Kompositionen, betörende Farbklänge oder malerische Brillanz. Ästhetik ist nebensächlich – wichtig ist ihm, eine Idee, eine Vorstellung oder Anekdote auf die Leinwand zu bannen. Trotz der schnellen, manchmal bewußt wie unfertig stehengelassenen Formulierungen haben seine Bilder auch nichts gemein mit der neoexpressionistischen, „wilden“ Kraftmalerei der 80er Jahre. Der Zusatz „Malerei vital plus“ im Ausstellungstitel distanziert sich ironisch von solch terpentingesättigter Vitalität. Zugleich reflektiert er die seltsamen Konjunkturen eines Metiers, das seit Anfang des letzten Jahrhunderts mit schöner Regelmäßigkeit für tot erklärt wird, um nach Jahren der Rekonvaleszens umso spektakulärer aufzuerstehen. In der gerontologischen Industrie schließlich ist „Vital plus“ ein vielbemühtes Marketingkürzel – das Versprechen ewig währender Jugendlichkeit und Agilität. Das ist die Art von Kurz- und Zirkelschlüssen, die Bosshart in seiner Kunst umtreiben.
Man kann Malerei und Videoarbeiten des Städel-Absolventen als eine Meditation über die „condition humaine“ verstehen, als ganz persönliche Interpretation des Komischen, Absurden, Banalen und Tragischen menschlicher Existenz. Oder, wie die „Bild“-Zeitung am Ostersonntag titelte: „Auferstehung! Feiertage! Sex!“. Auch der Tod als „conditio sine qua non“ dieses Dreiklangs, die Trauer und der Alltag finden sich in seinen Bildern. Im verlassenen Rollstuhl etwa, und im Lächeln von Nadine E., einst vom selben Boulevardblatt der Anonymität entrissen, um mit dem Bild vom vermeintlichen Glück eine private Tragödie öffentlich zu machen. Nichts ist, wie es scheint: hier öffnet sich ein Spalt im großen Welttheater – und das Spiel des Puppenspielers kann beginnen. (Margitta Brinkmann)

Peter Bosshart (*1966) studierte u.a. an der staatlichen Hochschule der bildenden Künste Frankfurt bei Thomas Bayrle, Martin Kippenberger und Andreas Slominski.
Er lebt und arbeitet in Efringen-Kirchen (Südschwarzwald).

Die Ausstellung wird gefördert durch die Stadt Neuenhaus und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Parallel 25: Ivon Drummen, 28.05. bis 15.06.2014, Altes Rathaus Neuenhaus, Hauptstr. 24. In Zusammenarbeit mit der Stadt Neuenhaus. Kurator: Anke Baumeister

Finissage mit dem Künstler am Sonntag, dem 20 Juli, ab 17 Uhr. 

Einladungskarte (Montage)
Einladungskarte (Montage)
Schmetterling, 2011, Öl/Lwd.
Schmetterling, 2011, Öl/Lwd.
Kleiner Schwarzkopf, 2012, Öl/Lwd.
Kleiner Schwarzkopf, 2012, Öl/Lwd.
Handkante, 2013/14, Öl/Lwd.
Handkante, 2013/14, Öl/Lwd.
Hakeln, 2013/14, Öl/Lwd.
Hakeln, 2013/14, Öl/Lwd.
Im Grünen, 2009, Öl/Lwd.
Im Grünen, 2009, Öl/Lwd.