HomestoriesHomestories
[Translation will be available soon.] Ausstellungen 2006

HOMESTORIES

Homestories
Abbildung: Susanne Kutter

Positionen zum Interieur

17. September bis 29. Oktober 2006

Achim Bitter, Kristin Calabrese, Andreas Gefeller, Rita Kanne, Clay Ketter, Mirjam Kuitenbrouwer, Susanne Kutter, Moonho Lee, Alexandra Ranner, Ricarda Roggan, Hiraki Sawa, Günter Wintgens.

Kurator: Stefan Rasche

Die Ausstellung "HOMESTORIES", die zeitgleich als Kooperationsprojekt im Kunstverein Grafschaft Bentheim in Neuenhaus und in der Galerie Münsterland e.V. in Emsdetten www.galerie-muensterland.de gezeigt wird, befasst sich mit dem Interieur, einem traditionsreichen Thema der Kunst, das anhand ausgewählter Positionen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Video, Skulptur und Installation auf seine Aktualität hin untersucht werden soll. Eingeladen wurden dazu mit Achim Bitter, Kristin Calabrese, Andreas Gefeller, Rita Kanne, Clay Ketter, Mirjam Kuitenbrouwer, Susanne Kutter, Moonho Lee, Alexandra Ranner, Ricarda Roggan, Hiraki Sawa und Günter Wintgens  zwölf Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland, deren Arbeiten sich auf die beiden Ausstellungsorte verteilen.
Wenn das Interieur als Thema der Kunst gerade aus heutiger Perspektive (erneut) Interesse verdient, so deshalb, weil das Verhältnis von privatem Leben und Öffentlichkeit weitreichenden Veränderungen von gesellschaftspolitischer Relevanz unterworfen ist. Dafür stehen zum Beispiel Stichworte wie "New Homing" oder "Cocooning", die eine lustvolle Rückbesinnung auf die Vorzüge von Komfort und Behaglichkeit innerhalb der eigenen vier Wände zum Ausdruck bringen. Was die Bildsprache der Werbung und Magazine dementsprechend als Ausdruck von Wohnglück und privater Lebensfreude zelebriert, lässt sich andererseits aber auch als Fluchtbewegung, als Abwehr unverarbeiteter Ängste und Konflikte deuten, um sich gegen die Außenwelt und ihre Zumutungen abzuschotten. Denn so sehr das Interieur zu Kontemplation und Einkehr taugt, so sehr tendiert es auch zum Kollaps. Auf diese komplexe Gemengelage antworten zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit Mitteln der Irritation und Verfremdung, hinter denen jeweils eigene Fragestellungen im Umgang mit dem privaten Milieu und seinen ästhetischen, psychologischen wie kulturellen Dimensionen zum Vorschein kommen. Hybride Modelle und Konstruktionen, Verfahren der Montage und des Samplings, Manipulationen und Überblendungen sie zeugen auch formal von der mehrfach gebrochenen Wirklichkeit, die aus den zeitgenössischen "Zimmerbildern" spricht. Bei aller Individualität der künstlerischen Strategien geht es somit immer wieder um die offensive Verbildlichung jener ambivalenten Kräfte, die das Interieur an der Schwelle von innerer und äußerer Wahrnehmung, von schöner Oberfläche und substanzieller Sinnkrise beherrschen.
Die "homestories" im Kunstverein Grafschaft Bentheim stellen sechs Positionen zum Thema vor. Hier macht Moonho Lee ein "Wohnheim" zum Gegenstand modellhafter Raumbefragung, wohingegen die großformatigen Fotografien von Ricarda Roggan an einen entlegenden Ort des Hauses, den Dachboden, entführen. Auf einer radikalen Verkehrung von Innen- und Außenraum beruht die Bildserie "Homes" von Günter Wintgens, wie auch Rita Kanne mit ihren Möbelskulpturen einen ständigen Wechsel von Funktion und Perspektive provoziert. Irritierende Ereignisse bis hin zur Katastrophe bestimmen schließlich auch die beiden in Neuenhaus gezeigten Video-Arbeiten, denn während Hiraki Sawa sein Londoner Appartement in einen internationalen Flughafen verwandelt, setzt Susanne Kutter in "Flooded Home" ein Wohnzimmer unter Wasser.
Die "homestories" in der Galerie Münsterland umfassen weitere sechs Positionen zum Thema. Während Achim Bitter eine eigens für den Raum konzipierte Installation unter Verwendung von Baumaterialien und Produkten aus dem häuslichen Bereich realisieren wird, zeigt Alexandra Ranner in einer skulpturalen Behausung ein Videoprojekt, das eine Gruppe unbeweglicher Schauspieler im Streitgespräch vorführt. Zwischen Fotografie und Malerei bewegen sich die Interieur-Collagen von Mirjam Kuitenbrouwer, wie auch Clay Ketter mit seinem Möbelobjekt "burned kitchen" einen eigenen Weg zwischen den klassischen Gattungen wählt. Weiterhin vertreten sind Andreas Gefeller, dessen "Plattenbauten" auf einer ungewöhnlichen Perspektive im Sinne fotografischer Raumvermessung beruhen, sowie Kristin Calabrese, die auf lebensgroßen Formaten zerstörte Interieurs von eigenwilliger Schönheit malt.

Zur Ausstellung erscheint im Oktober ein Katalog.

Gefördert wird das Projekt u.a. von der Kunststiftung NRW, der Gesellschaft zur Förderung westfälischer Kulturarbeit (GWK), dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Stadt Neuenhaus und dem Land Niedersachsen.