Timm UlrichsTimm Ulrichs
[Translation will be available soon.] Ausstellungen 2004

Timm Ulrichs

Timm Ulrichs
Messerwurf-Porträt

Ich, immer ich

Selbstporträts und Selbstdarstellungen
21. November 2004 bis 20. Februar 2005

Einführung durch Michael Stoeber und Timm Ulrichs. Gespräch mit Timm Ulrichs am Dienstag, 18. Januar.

Expedition des Künstlers in das eigene Ich Ausstellung Neuenhaus präsentiert filmische Selbstporträts und Selbstdarstellungen von Timm Ulrichs Mit "Ich, immer ich" konzentriert sich erstmals eine Ausstellung allein auf das filmisch umgesetzte Werk des renommierten Konzept- und Aktionskünstlers Timm Ulrichs. Acht Videos, allesamt Selbstporträts und Selbstdarstellungen, angelegt als Expeditionen Ulrichs' ins eigene Ich und "Innenraumerforschungen", zeigt der Kunstverein Grafschaft Bentheim bis zum 20. Februar in Neuenhaus. Von Thomas Kriegisch Mit dem 1940 in Berlin geborenen und in Hannover lebenden Timm Ulrichs stellt einer der wichtigsten deutschen Gegenwartskünstler in Neuenhaus aus. 1980 erhielt er Nordhorns Kunstpreis, dortpräsentiert er seit dieser Zeit mit seinem "Denkmal für Normal Null II" und dem "Findling", das meistpublizierte Werk von Ulrichs. Timm Ulrichs gilt seit seinen spektakulären und extravaganten Auftritten und Anfängen in den 1960er Jahren als eine Art frühe "Ich-AG" in Sachen Kunst, als ein Ich-Künstler, der sich im konstruktiven oder auch im ironischen Sinne immer wieder als Maß aller Dinge in seine Künste einbringt oder zum Hauptdarsteller seiner Aktionen und Performances macht. Der studierte Architekt geht bei der Realisierung seines Werkes auch oftmals selbst wie ein Architekt vor: Idee und Planung kommen von ihm, die jeweilige Umsetzung delegiert er an Fachleute. Am eigentlichen Kunstwerk ist Ulrichs nicht die eigene Handschrift oder die Ausführung wichtig, sondern die Idee und der Wille zur Gestaltung. Viele Ideen der präsentierten Filme gehen auf die 60er und 70er Jahre zurück - ihre Ausführung war jedoch manchmal erst durch die Entwicklung der filmischen Möglichkeiten und Mittel in der jüngsten Vergangenheit möglich. "Neugierig auf unvorhersehbare Einsichten und ungeahnte Erfahrungen am eigenen Leibe, bin ich häufig schon aufgebrochen zu Expeditionen ins eigene Ich, zu Abstiegen in die Untergründe und Bergwerke meiner selbst, mein Selbst", schreibt er zu seinen Arbeiten in Neuenhaus. Die Filme sind auf DVD gebrannt und werden über Fernseher gezeigt oder mittels Projektoren großflächig an die Galeriewände geworfen. Der Besucher trifft hier auf ein hochästhetisches Kino einer durchaus allgemein gültigen Selbstentdeckung und -befragung. Was man aus Ulrichs' Objekten, Performances, Textbildern und Wortspielen, die oft in der Tradition Dadas stehen und in ihren Doppelbödigkeiten hin und wieder auch an Eulenspiegeleien erinnern, im Laufe der Jahrzehnte als unverkennbares wie immer wieder faszinierendes und verblüffendes Markenzeichen kennengelernt hat, das erfüllt er auch in seinen Filmen. Mit der digitalen 3-D-Visualisierung "Reise zum Mittelpunkt des Ichs" (1995/97) wollte Ulrichs etwa zum tiefsten Punkt seines Kopfes vordringen. Ausgehend von einer kernspintomografischen Aufnahme wird das Abbild seines Kopfes im acht Minuten langen Schwarzweiß-Video durch Rotation Schicht um Schicht abgetragen und verkleinert, bis zum Schluss nur noch ein Kern bleibt - es entsteht der Eindruck einer Zeitreise, die assoziativ an eine stammesgeschichtliche Rückentwicklung des Menschen zu seinen Ursprüngen erinnert.

Der auf Video gezeigte Super-8-Film "Olympische Marathon-Tretmühle" entstand bereits 1972 zu den Spielen in München. Was heute als Drei-Minuten-Loop über die Mattscheibe flimmert, war für den Künstler damals schweißtreibende Schwerstarbeit: Auf der Stelle tretend absolvierte Ulrichs in einem großen Laufradkäfig täglich die Marathon-Distanz von 42 Kilometer. Der Kraftakt, der ganz bewusst an Goldhamster in ihren Laufrädern erinnern soll, führte nicht nur das Bemühen der Athleten ab absurdum, er stellte auch das Leben an sich als Sisyphusarbeit in Frage.

Werden und Vergehen, existenzielle Ursprünge und Prozesse, der Übergang vom Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos Universum verbildlicht Ulrichs mit dem beeindruckenden, vier Minuten langen Video "Stirn und Gestirne" (1986/91/2003). Der Film zeigt zwei elektrisch betriebene Scheiben, die über ein Gummiband verbunden sind und ihre Inhalte von einer Scheibe auf die andere ab- bzw. aufrollen. Die Silhouette eines Kopfes auf der linken Scheibe löst sich durch dieDrehungen auf und erscheint auf der rechten Scheibe als Sternenhimmel. Von hier aus geht der Entwicklungsprozess der Teile wieder in die andere Richtung und ursprüngliche Ordnung zurück.